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22. Dez. 2020, 18:00

Aufregung nach Schmidhofer-Verletzung: Wie im falschen Werbefilm

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Gezeigt wurde eine sehr unsympathische Seite des Sports. Immerhin, auf werbewirksame Art und Weise. Warum hat man sie nicht gleich als Zeichen der Glückseligkeit in einer von Kunstschnee umrahmten Skihütten-Gemütlichkeit abgelegt, im von beruhigendem Pistenraupenbrummen und Kuhglockengebimmel untermalten Wintersport-Idyll? Als hätte sie soeben abgeschwungen, um sich demnächst zwischen Jagatee und Germknödel zu entscheiden, lehnt ein knallgelbes Paar Ski hinter dem Krankenbett der Nicole Schmidhofer. Ihre zum Teil einbandagierten Hände halten eine Flasche, deren Inhalt der Darmgesundheit Unterstützung verspricht. Dazu Sponsorabdrücke auf Kopf, T-Shirt und weil es immer noch nicht reicht als farbliche Aufmunterung auf klinisch sterilem Krankenzimmerweiß. Verabsäumt wurde lediglich, die Blutkruste auf der Nase gewinnbringend ins Bild zu rücken. Die Gelegenheit verschlafen haben scheinbar auch die Hersteller von Skischuhen, Brillen und Stöcken. Und in diesem, sonst so gelungenem Potpourri der bunten Rundumvermarktung, erzählt Schmidhofer in einer Videokonferenz von ihrem Leiden, welches am vergangenen Freitag mit dem kurzen Moment eines Verschneiders in Val-d'Isère begonnen hatte. Vom ungebremsten Aufprall, von zerrissenen Bändern, von verrenkten und gebrochenen Gelenken. Aber was soll’s, sie stehen ihr bei, ihre Unterstützer hinter den Logos, lenken ab von der Realität, die auch der Angst an das Karriereende gedanklichen Freiraum gibt. Die Show muss weiter gehen. Ob auf der Piste, auf dem Krankenbett, ob sonst wo. Vor Augen geführt wurde, wie grenzenlos zynisch und empathielos dieses Geschäft geworden ist. Hätte die 31-jährige Nicole Schmidhofer es ablehnen müssen, sich der fast schon lächerlichen Situation aussetzen zu lassen? Ist ihren Sponsoren, oder dem ÖSV der Vorwurf zu machen, die Gunst der Stunde zu nützen, die Zitrone, also die Werbeträgerin noch einmal auszupressen, so lange sie es noch hergibt? Gezeigt wurde eine sehr unsympathische Seite des Sports. Immerhin, auf werbewirksame Art und Weise.
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